Im kleinsten Hochgebirge der Welt

Im kleinsten Hochgebirge der Welt

Hohe Tatra – Viele von Euch haben den Namen dieses kleinen Hochgebirges schon einmal gehört, aber habt Ihr auch eine Vorstellung davon, wo die Hohe Tatra liegt oder wie es dort aussieht? Die Tigerente jedenfalls wusste nicht viel über das kleine Gebirge und deswegen hat sie beschlossen, einfach mal hinzufahren. Teils in Polen, teils in der Slowakei gelegen, ist die Tatra eigentlich Teil der Karparten – jener Bergkette, die gemäß einer deutschen Redewendung irgendwo im Nirgendwo liegt. Nun ja, es ist ein Stück zu fahren von der deutschen Grenze, denn Ihr müsst zuerst Tschechien bzw. Polen vollständig durchqueren, um herzugelangen… Aber wenn Ihr Euch auf die Reise macht, könnt Ihr ja den vielen schönen Städten am Wegesrand einen Besuch abstatten oder entdecken, wie grün es eigentlich in Tschechien ist.

Ein gut getarntes Hochgebirge – Die Hohe Tatra versteckt sich zwischen Himmel und Erde in der Bildmitte 🙂

Schon aus der Ferne lässt sich unschwer erkennen, dass die Hohe Tatra ihre Bezeichnung als kleinstes Hochgebirge der Welt verdient hat: Im Vergleich etwa zu den Alpen wirkt sie eben nicht besonders groß. Ihr Hauptkamm ist gerade einmal zwischen 26 und 27 km lang, insgesamt misst sie kaum 50 km in der Länge und nur 15 km in der Breite. Trotzdem gibt es hier alles, was man von einem alpinen Gelände erwartet: Schroffe Felswände, grüne Nadelwälder, glasklare Bergseen, herrlich frische Luft, eine einzigartige Flora und Fauna – und ganz viel Ruhe! Wenn nicht gerade ein Wasserfall in der Nähe rauscht oder die Vögel zwitschern, ist es vor allem eines: Herrlich still.

Die prägende Vegetation in den Höhenlagen der Hohen Tatra ist die Zwergkiefer. Und weil sie so klein ist, spendet sie auch kaum Schatten.
Wenn sich der dichte Nebel verzieht und die Sonne sich Bahn bricht, entstehen mystische Augenblicke.

Um diese fantastische Bergwelt zu schützen, wurde im Jahr 1949 ein Nationalpark gegründet. Der Tatra-Nationalpark ist der älteste Nationalpark der Slowakei und bildet zusammen mit dem fünf Jahre später gegenüber auf polnischer Seite eingerichteten Nationalpark seit 1992 ein Biosphärenreservat der UNESCO. Hier leben unglaublich viele Wildtierarten, wie zum Beispiel Steinadler, Luchse, Füchse, Rehe, Dachse, Wölfe, Braunbären und Murmeltiere!

In der Hohen Tatra leben Wölfe und Bären, wie anhand der Spuren im Matsch gut zu erkennen ist!

Das klingt vielversprechend, oder? Natürlich hofft die Tigerente, einige dieser Wildtiere zu entdecken, darum hat sie sich ihre erste Unterkunft hoch oben in den Bergen gesucht – weitab von der Zivilisation. Sie übernachtet einsam auf 1.600 m Höhe, direkt nebenan: Der Velické pleso, ein malerischer Bergsee, in den sich ein imposanter Wasserfall ergießt.

Der Velické pleso, ein traumhaft schöner Bergsee!

Obendrauf gibt’s von der Südseite des Sees einen fantastischen Ausblick: Anders als bei anderen Gebirgen kann man von der Tatra aus den Blick dutzende Kilometer weit in das tiefere Umland schweifen lassen. Nach einem kurzen Streifen mit Ortschaften und Feldern am Fuße der Tatra erblickt man die dicht bewaldeten Hügel des Slowakischen Paradieses – eines weiteren wunderschönen Nationalparks .

Blick von der Hohen Tatra in´s Umland. Im Hintergrund seht Ihr Ausläufer des Nationalparks “Slowakisches Paradies” – einer dicht bewaldeten Hügellandschaft von malerischer Schönheit!

Zwar kommen Bären und andere Raubtiere eher kaum bis auf diese Höhe – der Velické pleso liegt deutlich oberhalb der Baumgrenze -, aber für Murmeltiere, Adler oder Gämse stehen die Chancen nicht schlecht. Und tatsächlich: Bei einem Spaziergang um den See entdeckt die Tigerente eine Tatragebirgsgams. In der Abendsonne grast das Tier weit oben auf einem Bergkamm. Die Gams überhaupt zu sehen ist deswegen so besonders, weil sich diese Art über Tausende von Jahren völlig isoliert von anderen Gemsenarten entwickelt hat und zwischenzeitlich beinahe ausgestorben war. Mittlerweile gibt es von ihnen zumindest wieder 1000 Exemplare.

In einiger Entfernung, aber doch zu erkennen: Tatra-Gebirgsgämse in der Nähe der Lomnitzer Spitze.

Vom Velické pleso aus führen mehrere Wanderwege durch die alpine Landschaft. Die sogenannte Magistrale zum Beispiel, die entlang der Berghänge auf etwa gleichbleibender Höhe verläuft, ist auch für eher ungeübte Wanderer geeignet. Sie ist in großen Teilen durch riesige Steine “gepflastert”. Aber Achtung, das klingt etwas einfacher, als es ist: Alle Steine liegen lose angeordnet auf dem Boden und einige davon sind etwas locker… Da kann man schon mal das Gleichgewicht verlieren. Die Magistrale ist zwar in großen Teilen nicht besonders steil, dennoch gibt es auch Wegstücke, die stark an- bzw. absteigen. Und in diesen Augenblicken vermisst die Tigerente dann doch etwas: Schatten! Da die Magistrale oberhalb der Baumgrenze verläuft, gibt es hier kein Gewächs, das höher als 1,50 m ist und der Wanderer ist der prallen Sonne schutzlos ausgeliefert. Dafür hat die Tigerente bei dem herrlichen Wetter eine fantastische Aussicht und zum Glück ausreichend Trinkwasser dabei!

Ein flaches Teilstück des Wanderwegs “Magistrale” mit der typischen Pflasterung aus Felsstücken – Achtung, manche sind ganz schön wackelig 😉

In dem kleinen Gebirge locken übrigens unzählige Wanderungen aller Schwierigkeitsgrade mit einer Gesamtlänge von circa 600 km. Bei der Urlaubsplanung ist es gut zu wissen, dass einige Wege aus Naturschutzgründen erst ab dem 16. Juni eines jeden Jahres für Wanderer freigegeben sind, wobei das insbesondere die Strecken betrifft, die hoch hinauf führen.

Die schroffen Berghänge am Velické pleso. Mit Glück erblickt der Spaziergänger hoch oben eine Tatragebirgsgams.

Besondere Highlights jeder Wanderung sind die vielen tollen Bergseen, von denen es in der Hohen Tatra über Hundert gibt. Der Größte auf slowakischer Seite ist der Vel‘ké Hincovo pleso, auf polnischer Seite der Morskie Oko. Das Wasser ist meist glasklar und leuchtet mal in dunklem Blau, mal in herrlichem Türkis. Zum Schwimmen sind sind die Seen allerdings nicht geeignet, denn sie werden gespeist von eiskaltem Schmelzwasser. Anfang Juni sind einige Seen teilweise noch von einer ordentlichen Eisschicht bedeckt, auch wenn es hier oben schon richtig heiß ist… Die Tigerente ist jedenfalls dankbar für den frischen Wind, der ab und zu weht und eine nette Abkühlung verschafft.

Der Jemské Pleso ist auch in der Hochsaison noch nicht völlig überlaufen und lässt sich vom Ort Strbske Pleso erwandern. Wer mag, kann anschließend noch ordentlich steile Höhenmeter draufpacken und zur Bergstation des Sessellifts Solisko Express auf 1.814 m wandern (Einzelfahrt bergab: 11 Euro pro Erwachsenem, saisonale Öffnungszeiten beachten!).
Der Weg zum Jamské Pleso steigt nicht besonders steil an. Anstrengend ist er dennoch – besonders, weil er größtenteils in der prallen Sonne liegt.
Dafür bietet der Weg mangels “störender” Bäume ein tolles Panorama 😉
Der Batizovské Pleso auf 1.884 m Höhe ist Anfang Juni noch teilweise zugefroren.
Der Wanderweg entlang des Batizovské Pleso führt über einen breiten Bach aus eisigem Schmelzwasser.

Statt im Eiswasser baden zu gehen, bewundert die Tigerente lieber das einmalige Panorama und die umliegenden Berggipfel. Letztere machen die Tatra zu einem Paradies für Kletterer, die ihre Ausrüstung durch die sengende Hitze schleppen und sich die Anstrengung nicht anmerken lassen! Der höchste Gipfel der Hohen Tatra ist übrigens die 2.655 m hohe Gerlachovsky štít. Die Gerlsdorfer Spitze – so der deutsche Name – ist gleichzeitig auch der höchste Berg der Slowakei. Insgesamt gibt es in der Hohen Tatra 24 Berge, die über 2.500 m messen – sooo klein ist das Gebirge also auch nicht 😉

Malerisches Bergpanorama am Wegesrand der Magistrale mit Wasserfall (Bildmitte) und Blick hinauf zu Batizovské Pleso.

Wer sich fragt, wie man in der Slowakei wohl Urlaub macht: Die Hohe Tatra ist touristisch gut erschlossen; so fährt zum Beispiel vom Ort Tatranske Lomnica eine Seilbahn auf die 2.634 m hohe Lomnitzer Spitze. Die Bahn hat zwei Zwischenstationen, wobei die letzte der drei Etappen ziemlich abenteuerlich ist. Auf den Gipfel kommt man an der zweiten Zwischenstation nämlich nur mit einer winzigen Gondel ohne Sitzplätze, für welche man schon Tage im Voraus ein Ticket buchen muss. Auch wenn dies sowie der teure Ticketpreis (56 € für einen Erwachsenen) zunächst abschreckedn klingen, lohnt sich die Gondelfahrt: Sie ist schon als solche sehr spektakulär, denn das Gondelseil führt ohne einen Stützmast direkt von der Zwischenstation hinauf zum Gipfel und sowohl bei ihrer Hin. als auch bei ihrer Rückfahrt entdeckt die Tigerente von der Gondel aus Tatragebirgsgämse. Auf der Lomnitzer Spitze hat die Tigerente dann einen fantastischen Blick auf die umliegenden Gipfel.

Auch die (zweite) Zwischenstation der Seilbahn am Bergsee Skalnaté Pleso ist sehr hübsch: Auf 1.751 m liegt kann man gemütlich den See umrunden, eine Wanderung auf der Magistrale starten oder ein Panorama-Restaurant mit einem tollen Ausblick in´s tieferliegende Umland besuchen. Auch findet sich hier ein Observatorium zur Sternbeobachtung.

Übrigens ist der Ticketschalter für die Seilbahn im Tal nicht ganztägig besetzt und es drängen sich viele Urlauber in der Schlange, also seid Ihr gut beraten, wenn Ihr Euch spätestens um 9:30 Uhr an der Talstation einfindet. Für eine Seilbahnfahrt bis zur zweiten Station am Skalnaté Pleso zahlt ein Erwachsener 24 Euro (hin und zurück), bis ganz nach oben als Kombiticket 56 Euro (Achtung, hierfür müsst Ihr schon Tage im Voraus Tickets reservieren!). Happige Preise, aber wenigstens Ihr umsonst an der Talstation parken, was in der Slowakei eher selten vorkommt… Außerdem solltet Ihr wissen, dass Ihr Euch auf der Bergstation hoch oben auf 2.63 m nur 50 Minuten aufhalten dürft. Ihr bekommt bei Eurer Ankunft auf der Station eine Nummer mit Eurer entsprechenden Rückfahrt zugeteilt. Auf dem Gipfel gibt es drei Aussichtsplattformen, ein Café und sogar zwei Zimmer, die man für eine Übernachtung buchen kann.

Der Bergsee Skalnaté Pleso liegt unterhalb der Lomnitzer Spitze. Im Frühling ist er noch gut gefüllt…
… im Sommer nur noch ein kleiner Teich.
Blick von der Magistrale Richtung Observatorium.
Die Seilbahnstation auf der Lomnitzer Spitze wirkt wie das Quartier eines James-Bond-Bösewichts.
Die Gondel verschwindet bei ihrer Fahrt hinauf zur Lomnitzer Spitze gleich im Nebel.
Blick von der Lomnitzer Spitze auf die umliegenden Berggipfel.
Ebenfalls Blick von der Lomnitzer Spitze auf die Hohe Tatra.

Sehr lohnenswert sind auch ein Besuch des Örtchens Štrbské Pleso und ein Spaziergang um den gleichnamigen See. Der Ort besteht aus vielen Hotels, Restaurants, Souvenirshops, einem Apres Ski- Areal, einem Klettergarten und anderen Attraktionen für Kinder, einem Bahnhof und eben dem wunderschönen Štrbské Pleso. Während sich an der südöstlichen Uferseite des Sees einige schicke Hotels finden, ist das Gewässer im Weiteren im Grünen umrundbar, wobei Ihr herrliche Ausblicke genießen könnt! Im nordöstlichen Bereich gibt es ein hübsches Restaurant und wer die zu sich genommenen Kalorien gleich wieder abtrainieren möchte, hat genug Gelegenheit: Es gibt mietbare Kanus und die ganz Sportlichen können sich an verschiedenen Trimm-Dich-Stationen rund um den See fit halten. Dass der Ort sportbegeistert ist, ist im Übrigen unschwer erkennbar an der riesigen Skisprungschanze am Nordwestufer.

Skischanze von Štrbské Pleso.
Der See Štrbské Pleso ist in einer knappen Stunde gemütlich umrundbar und ein landschaftliches Highlight der Hohen Tatra!
Das Hotel Patria und die Skisprungschanze Skokanské mostíky am Štrbské Pleso.

Wer etwas mehr Zeit in Štrbské Pleso verbringt, kann von hier aus einige schöne Wandertouren starten, zum Beispiel zum Jamské Pleso oder zum Popradské Pleso. An Möglichkeiten und Unternehmungen mangelt es in der Hohen Tatra nicht und so freut sich die Tigerente schon auf ihren nächsten Besuch im kleinsten Hochgebirge der Welt!

Update: Der Artikel wurde im Juni 2019 erstmals veröffentlicht. Im August 2020 war die Tigerente erneut in der Hohen Tatra und hat den Artikel auf den aktuellen Stand gebracht. Ihr seht: Lange hat es sie nicht ausgehalten, ohne die Hohe Tatra wieder zu besuchen 🙂

Abendlicher Blick zur Ostseite des Štrbské Pleso.

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