Mit dem Floß über den Dunajec

Mit dem Floß über den Dunajec

August 18, 2020 0 Von ThisGirlIsEverywhere

Im äußersten Norden der Slowakei liegt der Fluss Dunajec im Pieniny Nationalpark. Von der Hohen Tatra aus macht sich die Tigerente auf den Weg dorthin, um eine Fahrt mit einem traditionellen Holzfloß zu unternehmen. Nachdem sie eine gute Stunde vorbei an winzigen Ortschaften und durch ein beinahe menschenleeres Mittelgebirge mit teils schroffen Felswänden gekurvt ist, hat die Tigerente das Gefühl, weitab der Zivilisation zu sein. Umso überraschter ist sie, als sie entdeckt, dass die Region am Fluss bei Slowaken, Tschechen und Polen längst kein Geheimtipp mehr ist. Besonders bekannt scheinen das Červený Kláštor (Rotes Kloster) und die gleichnamige Ortschaft zu sein. Hier herrscht buntes Treiben – die ansässigen Campingplätze sind sehr gut besucht und neben netten kleinen Pensionen gibt es auch einige Restaurants und Souvenirshops. Es ist ein warmer Sommertag und so planschen Familien im Fluss und auf dem Radweg ist auch ordentlich was los. 

Hoch über dem Dunajec thronen die Drei Kronen, der Berg in der Bildmitte.

Nachdem die Tigerente Karten für die Floßfahrt gekauft hat, muss sie noch drei Stunden auf den Start ihrer Tour warten. Sie nutzt die Zeit, um eine leckere Mahlzeit zu sich zu nehmen und sich anschließend die Ortschaft näher anzuschauen. Eine moderne Fußgängerbrücke führt über den Fluss und verbindet die Slowakei mit Polen. Hier machen Touristen fleißig Selfies, während unter der Brücke Floße, Kajaks und Rafter hindurch gleiten. Um sich die Zeit zu vertreiben, schlendert die Tigerente durch die Souvenirstände, wo vor allem Holzarbeiten, Produkte aus Schafsfell, lokale Spezialitäten und Kinderspielzeug verkauft werden. Bald sind die drei Stunden vorüber und so macht sich die Tigerente auf dem Weg zum Ausgangspunkt ihrer Floßfahrt in Majere. Der Ort besteht eigentlich nur aus der Floßanlegestelle und einem riesigen Parkplatz, auf dem auch jetzt große Reisebusse parken. Offenbar bieten viele Hotels eine Tagestour zum Dunajec an, was auch die lange Wartezeit vom Kartenkauf bis zum Tourstart erklärt. 

Da der Fluss eine ordentliche Strömung hat, finden die Fahrten nur stromabwärts statt. Nach der Fahrt werden die Floße in LKWs verladen und wieder nach Majere gebracht. Interessiert beobachtet die Tigerente, dass jedes Floß aus fünf einzelnen Stücken besteht, die ein wenig an „eckige Kanus“ erinnern. Die einzelnen Teile werden von Männern auf dem Wasser fachgerecht zusammen geschnürt. Die ganze Prozedur vom Entladen des LKW bis zur Fertigstellung eines gesamten Floßes dauert eine Weile und wird im Akkord durchgeführt. Immer wieder starten Floße oder kommen per LKW an.

Das traditionelle Floß besteht aus fünf Einzelzeiten, die fest verschnürt werden. Zur Fortbewegung und Navigation dienen den Flößern lange Holzstangen.

Endlich geht es auch für die Tigerente los. Jedes Floß ist mit einem traditionell gekleideten Guide und einem ebenso angezogenen Floßführer bestückt. Die Männer in bestickter blauer Weste und weißem Hemd halten lange Holzstangen in der Hand, welche zur Navigation und Vorwärtsbewegung im Wasser dienen. Der Guide der Tigerente scheint witzig zu sein, jedenfalls lachen die übrigen Touristen laut bei jedem zweiten Satz, den er sagt. Leider versteht die Tigerente kein Wort, denn die Tour findet vollständig auf Slowakisch statt. So konzentriert sie sich stattdessen auf das Panorama entlang des Flusses und entdeckt sogar einen Fischotter, der keinem der Mitfahrer auffällt, da alle gebannt dem Guide zuhören.

Die Schlucht in der Abendsonne.

Größtenteils fließt der Fluss ruhig, aber rasch dahin. Nur einmal bekommt die Tigerente nasse Füße, als die Flößer durch eine kleine Stromschnelle navigieren müssen. Immer wieder wird das Floß von Kajakfahrern überholt, auch viele Rafter sind unterwegs. Zum Rafting würde die Tigerente diesen Fluss allerdings nicht empfehlen – dazu ist er (mindestens im Sommer) ein wenig zu ruhig. Aber was will man erwarten, wenn auf demselben Gewässer auch Floßfahrten angeboten werden?;) Vermutlich aus diesem Grund sind die Schlauchboote größtenteils mit Familien mit Kindern besetzt. Die Kids haben natürlich riesigen Spaß bei jeder winzigen Stromschnelle und jauchzen und kreischen, sobald ein paar Wassertropfen durch die Luft fliegen.

Felspanorama

Von dem Trubel nicht stören lassen sich offenbar die heimischen Schwarzstörche, von denen die Tigerente gleich vier Stück sieht. Die Vögel starksen am Ufer entlang und sind offenbar auf der Suche nach Futter. 

Die Tigerente entdeckt einen Schwarzstorch am Ufer.

Nach etwa 11 km vorbei am malerischen Panorama der Dunajec Schlucht – angeblich der größten Schlucht Mitteleuropas – landet das Floß schließlich wieder am Ufer an. Von hier aus ist es noch etwa ein Kilometer zu laufen, bis die Tigerente schließlich in Lesinca ankommt, von wo aus zurück zum Ausgangspunkt nach Majere geht.

ALLGEMEINE INFOS

Floßstart ist in Majere oder Červený Kláštor. Je nach Einstieg ist die Tour 11 oder 9 km lang.

Die Tour dauert gut anderthalb Stunden. Empfehlenswert ist es, früh da zu sein. Je nach Besucherandrang kommt es – insbesondere in der Hauptsaison – zu mehrstündigen Wartezeiten. Man sollte beachten, dass die Schlucht um 16:00 Uhr schon weitgehend im Schatten liegt und es daher auch kühl werden kann. Dagegen gibt es in der Mittagszeit bei gutem Wetter kaum Schutz vor der Sonne.

Die Touren enden in Lesnica, wo sich ein Restaurant befindet und die Busse zurück zum Ausgangspunkt abfahren.

Preise Floßfahrt: 15 € (Erwachsene), Parken ist gratis.

Preis pro Busticket (für die Rückfahrt zum Start): 1,50 € (Erwachsener).
Alternativ kann man auch ein Taxi nehmen, Preis etwa 25€

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