Cañón de Colca – Andenkondore und aktive Vulkane

Cañón de Colca – Andenkondore und aktive Vulkane

Oktober 26, 2019 0 Von ThisGirlIsEverywhere

Was wäre das für eine Reise nach Peru, wenn die Tigerente nicht auch einen Kondor sehen würde? Um dem Glück ein wenig nachzuhelfen, macht sie sich auf den Weg zum Cañón de Colca. Der Aussichtspunkt Cruz del Cóndor am Rande der Colca-Schlucht bietet laut einer kleinen Internetrecherche die allerbesten Chancen, um den König der Lüfte bei seinem majestätischen Gleitflug zu beobachten.

Eine der beiden Aussichtsplattformen am Cruz dem Condor. Während es zur besten Beobachtungszeit zwischen 8 und 10 Uhr recht voll ist, ist zu späteren Uhrzeiten kaum etwas los.
Am Cruz del Condor wächst nicht besonders viel, dazu sind die Hänge zu steil.

Die Tigerente besucht das Cruz del Cóndor das erste Mal Nachmittags, und obwohl es heisst, dass die günstigste Beobachtungszeit am Cruz del Cóndor morgens von 8 – 10 Uhr (in der Trockenzeit von Mai bis Dezember) ist, hat sie direkt Glück und sieht die gigantischen Vögel! Ein Andenkondor fliegt auf Augenhöhe keine 10 Meter entfernt an den steilen Hängen der Schlucht an ihr vorbei! Diese Vogelart kann eine Spannweite von über drei Metern erreichen. Trotz der Größe beherrscht der Andenkondor sein Element derart perfekt, dass er eine halbe Stunde in der Luft bleiben kann, ohne auch nur ein einziges Mal mit den Flügeln schlagen zu müssen!

Um den Andenkondor ausgiebig zu beobachten, besucht die Tigerente auch am nächsten Morgen wieder den Aussichtspunkt. Um kurz vor 9 Uhr ist dort ordentlich was los! Nicht nur, dass Busladungen von Touristen am Miradór ausgekippt werden, viel besser:

Auch die Kondore sind da! Um die frühe Uhrzeit nutzen sie die morgendliche Thermik an den Hängen der Schlucht, um höher und höher aufzusteigen und auf Beutesuche zu gehen. Der Andenkondor ist zwar – als typischer Geier – ein Aasfresser. Aber den Raubtieren der Gegend macht er es nicht leicht, denn ungesicherte Beute luchst er ihnen mitunter einfach ab. Wie bitter mag es für einen Puma sein, wenn er nach der nächtlichen Jagd zu einem leckeren Mittagessen an den Ort des Geschehens zurückkommt und entdecken muss, dass von den Früchten seiner Arbeit nichts mehr übrig ist? Allerdings muss der Andenkondor selbst auch aufpassen: Ist er einmal gelandet, startet er nicht so einfach wieder! Befindet sich der als Mahlzeit angepeilte Kadaver also an einem Ort, von dem der riesige Geier nicht schnell wieder in die Luft starten kann, kann er leicht selbst zur Beute werden. Für den Abflug braucht der bis zu 15 kg schwere Vogel nämlich einiges an Anlauf und die geeignete Thermik… 

Um an eine Mahlzeit zu gelangen, ist der Andenkondor übrigens sehr erfinderisch. Es soll sogar schon vorgekommen sein, dass er durch heftige Flügelschläge seine Beute (auch größere Tiere wie Kühe oder Bergziegen) an den steilen Berghängen zum Absturz gebracht hat und sich sodann an ihren sterblichen Resten gütlich getan hat… 

Mehr als drei Meter Spannweite kann ein männlicher Andenkondor erreichen.
Gut zu erkennen ist die typische schwarz-weiß-Zeichnung des Gefieders der erwachsenen Tiere (Männchen wie Weibchen).
Die Jungvögel dagegen zeigen sich noch in dezentem Braun.

Leider ist der Bestand des Kondors bedroht. Insbesondere intensive Viehaltung, wachsende Bevölkerungszahlen und Giftköder, die Pumas oder Füchse töten sollen und dann auch die Aasfresser mit in den Tod reißen, führen schon seit Jahrhunderten zu einem Sinken des Bestandes. Hinzu kommt, dass die Brutplätze der Tiere zunehmend durch Trekkingtouristen gestört werden. Allerdings gibt es auch viele örtliche Schutzmaßnahmen, Schulungsprogramme und Programme zur Aufklärung der Bevölkerung. So richtig schlagen diese Maßnahmen aber leider noch nicht an und die Zahl der Tiere nimmt weiterhin ab. Was also kann man als Tourist tun, um diese einzigartigen Vögel zu schützen? Am Besten: Weder den Kondoren noch ihren Nist- und Brutplätzen zu nahe kommen und jede Störung der Tiere vermeiden.

Die riesigen Vögel verlieren sich beinahe in der Weite der Landschaft!
Ganz in seinem Element: Der Andenkondor kann eine halbe Stunde in der Luft bleiben, ohne auch nur ein einziges Mal mit den Flügeln schlagen zu müssen.

Neben den Andenkondoren ist die Colca-Schlucht selbst eines der Highlights von Peru! Egal, ob man sich auf den Standpunkt stellt, dass der Cañón de Colca die tiefste Schlucht der Welt sei – wie manche behaupten – oder einfach nur eine ziemlich tiefe Schlucht: Vom höchsten Berggipfel bis hinunter zum Río Colca, der sich durch den Canyon windet, misst die Entfernung 3.191 m! Zum Vergleich: Im Grand Canyon geht es „gerade einmal“ 1.800 m hinunter. Schaut man allerdings nicht vom höchsten Berggipfel der Gegend, sondern direkt vom Rand der Schlucht auf den Rio Colca hinunter, so hat der Cañón de Colca „nur“ eine Tiefe von 1.200 m. Die genannten Meinungsverschiedenheiten sind im Grunde aber irrelevant, denn der nicht allzuweit entfernte Cañon de Cotahuasi ist mit 3.354 m noch ein wenig tiefer… Aufgrund einer doch sehr zeitintensiven Anreise verirren sich dorthin aber deutlich weniger Touristen.

Die fruchtbaren Hänge der Colca-Schlucht werden landwirtschaftlich genutzt, soweit es das Terrain zulässt.
Auf den terrassenförmigen Feldern werden Kartoffeln, Mais und Quinoa angebaut und Vieh gehalten.

Unabhängig davon, wo man ihn in der Weltrangliste einordnen möchte, bieten sich am Cañón de Colca atemberaubende Ausblicke! Teilweise fallen Felshänge schroff ab bis zum Flussbett des dunkelblauen Rio Colca, der sich tief unten seinen Weg bahnt. An anderen Stellen wiederum ist der Cañón de Colca eher ein Tal in der Landschaft, dessen fruchtbare Hänge zur Viehhaltung und Landwirtschaft genutzt werden. Hier werden terrassenförmige Felder angelegt, auf denen Kartoffeln, Mais und Quinoa angebaut werden. Es gibt Schafe, Esel, Pferde, Kühe und auch Lamas und Alpakas. Insbesondere die beiden Letzteren haben es der Tigerente angetan. Die vierbeinigen Wollknäuel sehen einfach zu niedlich aus und sind darüber hinaus sehr nützlich! Hier oben auf fast 4.000 Metern Höhe kann es nämlich sehr kalt werden und so wird die Wolle der Lamas und Alpakas genutzt, um sehr wärmende Kleidung zu produzieren.

Ein Alpaka ist neugierig, was die Tigerente so treibt. Im Vergleich zu Lamas haben Alpakas eine kürzere Schnauze und kürzere Ohren, ansonsten sehen sich die beiden Tierarten zum Verwechseln ähnlich.
In Peru findet man sehr farbenfrohe Stoffe und wunderschöne Kleidung aus Alpaka- oder Lamawolle. Auf jeden Fall solltet Ihr Platz im Koffer lassen, denn mit Sicherheit könnt Ihr das ein oder andere schöne Teil mit nach Hause nehmen! Aber Achtung: Nicht alle angeboten Produkte sind aus Tierhaar, oft handelt es sich auch um synthetische Fasern.

Aufgrund der großen Höhe ist die Luft sehr dünn und dazu noch wahnsinnig trocken. Auch der Tigerente macht – wie vielen anderen Besuchern hier – die Höhenkrankheit zu schaffen. Sie kommt wahnsinnig schnell aus der Puste, schon kleine Wegstrecken werden sehr anstrengend. Dazu kommen starke Kopfschmerzen, trockene Augen, ein trockener Mund und eine trockene Nase… Hier hilft nur: Trinken, trinken, trinken und viel eincremen (auch Nasenschleimhaut und Lippen; die Augen am besten tropfen). Gegen den Sauerstoffmangel sollen Coca-Blätter (ja genau, aus der Pflanze, aus der auch Kokain gewonnen wird) helfen. Es gibt sie hier als Tee, Tabletten, getrocknete Blätter und als Bonbons zu kaufen, sogar Likör wird aus Coca hergestellt. Die Tigerente probiert die Mittelchen aus, um den Kopfschmerzen zu entfliehen (nicht den Likör, der dürfte eher kontraproduktiv wirken 😉 ). Während die Bonbons wirklich lecker sind (auf Honigbasis und sehr süß), schmecken die Blätter eher bitter und erinnern an Grünen Tee. Aber das Grünzeug soll die Sauerstoffzufuhr verbessern… und es hilft tatsächlich!

Erste-Hilfe-Paket gegen Höhenkrankheit und trockene Luft: Mineralwasser, Coca in allen möglichen Formen, Cremes und Augentropfen.

Da es die Tigerente trotz der Einnahme von Coca vorzieht, sich nicht allzu sehr anzustrengen, lässt sie sich aber lieber durch die grandiose Landschaft tragen und schaut sich alles vom Rücken eines freundlichen Vierbeiners an… Ihr Falbe trägt sie die Berge hoch und wieder hinunter zum Rio Colca, aber auch die Pferde sind etwas am Schnaufen hier oben…

Verschnaufpause für Pferd und Reiter – auf über 3.500 m ist ALLES anstrengend.
Der Rio Colca windet sich mal durch enge Schluchten und dann wieder mäandert er im breiten Lauf vor sich hin.

Der Tigerente bietet sich während ihres Ausritts ein tolles Panorama mit dem Sabancaya als Highlight. Der Sabancaya ist einer der aktivsten Vulkane Perus. Der 5.976 m hohe Stratovulkan ist 1995 das letzte Mal ausgebrochen. Seit Ende 2016 speiht er aber wieder vermehrt Asche in die Atmosphäre und die Tigerente ist überrascht, wie schnell diese Asche in die Höhe steigt! Es dauert tatsächlich keine volle Minute, bis die grau-weißen Partikel ein paar Kilometer über dem Vulkan eine Wolke bilden! Die Warnstufe für den Sabancaya steht aktuell daher auch auf „orange“, was die dritthöchste von vier Stufen ist. Sie markiert, dass der Vulkan eine gesteigerte Aktivität zeigt. Die rote Stufe würde bedeuten, dass ein Ausbruch innerhalb der nächsten Stunden oder Tage erwartet würde, was die Tigerente nicht unbedingt live miterleben muss…

Der 5.976 m hohe Vulkan Sabancaya ist derzeit sehr aktiv.
Er spuckt ordentlich Asche in die Atmosphäre. Zur Zeit hat er die Warnstufe „orange“. Sollte es zu einem Ausbruch kommen, liegt die Colca-Schlucht in der Gefahrenzone.
Vom Aussichtspunkt „Mirador de los Volcanes“ oberhalb der Ortes Chivay auf etwa 4.800 Meter Höhe hat die Tigerente eine tolle Sicht auf gleich mehrere Vulkane.
Es geht ganz schön bergauf – und das ist nicht mal die Hälfte des Weges von Chivay (der Ort ist in der Bildmitte zu erkennen, wenn Ihr genau hinseht) hinauf zum Mirador…
Auf dem Weg zum Mirador de los Volcanes (auf Google Maps “Mirador de los Andes” gennant) queren Schafe, Lamas und Alpakas die Straße.

Bis auf 7.600 m steigt die Aschewolke aktuell über dem Sabancaya empor. Bei vielen Bewohnern der Umgebung verursacht sie Atembeschwerden – was aber wohl im Vergleich zu dem, was bei einem Ausbruch drohen dürfte, noch als vergleichsweise harmlos zu bezeichnen ist. Vom Sabancaya als sog. „grauem Vulkan“ geht insbesondere die Gefahr von pyroklastischen Strömen und Lahar aus. Bei einem pyroklastischen Strom rasen feinste Vulkanasche und heiße Gase mit einer Geschwindigkeit von bis zu 700 km/h die Vulkanhänge herab. Im Inneren eines solchen lawinengleichen Stroms können Temperaturen von bis zu 800 Grad herrschen! Er hat eine solche Wucht, dass er mühelos große, offene Wasserflächen überwinden kann. Überflüssig zu sagen, dass man keine Überlebenschance hat, sollte man einem pyroklastischen Strom zu Nahe kommen. Lahar (nicht zu verwechseln mit Lava!) dagegen ist ein bis zu 100 km/h schneller Schlamm- und Schuttstrom, in welchem sich riesige Gesteinsblöcke mit Sedimenten und Wasser mischen. Dieser Strom ist vergleichbar mit einer Schlammuräne aus den Bergen. Lahar kann bis zu 100 km weit fließen, wobei sie alles unter sich begräbt, was in ihrem Weg liegt. Der Sabancaya ist aktuell dabei, einen Lavadom im Inneren des Kraters zu bilden, so dass es wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit ist, bis ein Ausbruch stattfindet… Und in diesem Fall liegt die Colca-Schlucht direkt in der Gefahrenzone.

Besonders niedlich sind die Alpaka-Babys.

In der Nähe des Cañón de Colca gibt aber nicht nur den Sabancaya, sondern auch andere, sehr aktive Vulkane – was nicht weiter verwunderlich ist, denn die Anden sind Teil des Pazifischen Feuerrings. Aktuell besteht für mehrere Vulkane im Süden Perus eine erhöhte Warnstufe. So zum Beispiel für den Ubinas, der etwa 90 Kilometer von der Unterkunft der Tigerente entfernt und so aktiv ist, dass Ende Juli 2019 Teile der Bevölkerung evakuiert werden mussten. Zudem liegt etwa 20 km entfernt vom Cruz del Cóndor der Vulkan Mismi, den die Tigerente von Colca aus aber nicht sehen kann. Im Jahr 2000 fand ein Expeditionsteam heraus, dass an diesem Vulkan die am weitesten entfernte Quelle des Amazonas liegt; von hier bis zum Meer hat das Wasser eine Strecke von 6.275 km zu überwinden!

Der Weg zu den Thermalquellen führt über eine wackelige Hängebrücke. Aber keine Sorge: Wer dabei ein bisschen verspannt, kann seine Muskeln gleich darauf im 38 Grad warmen Vulkanwasser wieder relaxen 😉

Der vulkanischen Aktivität ist es aber auch zu verdanken, dass am Cañón de Colca einige Thermalquellen sprudeln! So entspannt die Tigerente im heißen Wasser der baños thermales de Chacapi (Eintritt 15 Soles p.P. inkl. Parkplatz, ohne Parkplatz 12 Soles p.P.) und genießt einfach den Ausblick und die wohltuende Wärme in der Muskulatur, denn so ganz unanstrengend ist ein vierstündiger Ausritt nun auch nicht 🙂