Spektakuläre Halbinsel Paracas

Spektakuläre Halbinsel Paracas

Oktober 18, 2019 0 Von ThisGirlIsEverywhere

Die Peninsula de Paracas ist eine riesige Halbinsel an der Pazifikküste von Peru. Sie gehört zur Atacama-Wüste, die die trockenste, wenngleich nicht die heißeste Wüste unseres Planeten ist. Vom kleinen Örtchen Paracas kann man die Peninsula de Paracas hervorragend mit dem Auto und dem Boot erkunden, so dass in dem eigentlich unscheinbaren Küstenort eine gute touristische Infrastruktur entstanden ist.

In der Atacama-Wüste regnet es nur während des Wetterphänomens El Niño. Es gibt Orte, an denen jahrzehntelang kein Tropfen Regen fällt.
Die Wüste stürzt sich in den Ozean. Die Kombination aus trockenem, ockerfarbenem Sand und azurblauem Pazifik wirkt atemberaubend surreal.

Schon optisch ist die Pensinsula de Paracas ein echter Hingucker. Aber auch, wenn es die Umgebung auf den ersten Blick nicht vermuten lässt: Auf der als Naturreservat ausgewiesenen Halbinsel sowie auf den benachbarten Islas Ballestas gibt es eine unglaubliche Tierwelt! Neben Seevögeln wie beispielsweise Pelikanen und Kormoranen leben in dieser einmaligen Kulisse auch Seelöwen und Seebären! Mitunter suchen sogar Chile-Flamingos diese Küstenregion auf, die vor allem zwischen Juni und August zu beobachten sind. Aber die Tigerente hat Glück und sieht auch im Oktober einen einzelnen jungen Flamingo, der noch groß und rosa werden muss.

Ein einzelner junger Flamingo übt das Fliegen. Auch die rosane Farbe erkennt man nur ganz schwach, sie entwickelt sich erst mit den Jahren durch die Nahrungsaufnahme bestimmter Algen und Krebse.
Ein riesiger Pelikan (Spannweite bis zu 3,5 Meter) hebt ab. Allein der Kehlsack seines Schnabels hat unglaubliche 13 Liter Fassungsvermögen!

Auch ein besonders seltener Geselle lebt auf der Peninsula de Paracas – lustigerweise erwartet man ihn in dieser heißen und trockenen Wüstenlandschaft als allerletztes! Den Humboldt-Pinguin kümmern diese menschliche Erwartungen wenig; er fühlt sich inmitten der hier herrschenden Gluthitze offenbar ziemlich wohl 🙂 Das unterscheidet ihn von den meisten anderen Pinguinen, darum ist er die einzige in Peru vorkommende Pinguinart – und übrigens auch die weltweit kleinste. Selbst die ausgewachsenen Tiere erreichen kaum eine Größe von 70 cm. Dafür ist er ein ausgezeichneter Schwimmer, er kann zwei Minuten und bis zu 80 m tief tauchen. Um einen Humboldt-Pinguin zu entdecken, hätte die Tigerente allerdings schon wirklich Glück haben müssen… 

Ein Schwarm Pelikane hofft auf Fastfood vom Fischer.
Der hübscheste Vogel der Paracas-Halbinsel ist die schieferfarbene Inkaseeschwalbe – leicht an ihrer markanten Gesichtszeichnung zu erkennen: Einem geschwungenen weißen „Dalí-Bart“ samt gelbem Unterstrich und einem knallroten Schnabel.

Obwohl man es in der Weite der trockenen Landschaft kaum vermutet, finden sich auch im Inneren der Halbinsel ein paar Tierarten – wenngleich es sich dabei „nur“ um Spinnen, Insekten und Eidechsen handelt. In Küstennähe kommt sogar der Wüstenfuchs vor, der sich nur dadurch hydrieren kann, dass er Seevögel fängt.

Eine Eidechse, wer hätte das erkannt? 😉

Nicht weit vor der Küste der Peninsula de Paracas liegen die Islas Ballestas. Die Inseln sind eigentlich kaum mehr als ein paar riesige, aus dem Wasser ragende Felsen, aber sie strotzen vor Tierreichtum. Bereits auf der Überfahrt mit dem Boot besteht Grund zur Hoffnung, einen Delfin oder einen Großen Tümmler im Wasser zu entdecken. Die Tigerente hat ein paar Delfine sogar vom Festland der Peninsula entdeckt! Auch Grauwale oder Orcas leben in den Gewässern vor Peru und gehen nahe den Islas Ballestas von Zeit zu Zeit auf Jagd. Während die Grauwale sich mit kleinen Meeresbewohnern wie Flohkrebsen oder kleinen Fischen zufrieden geben, werden die Orcas durch ganz andere Beute angezogen: Seelöwen, die auf den Islas Ballestas reichlich vorkommen!

Ein junge Seelöwe erholt sich auf den Islas Ballestas und kuschelt sich an seine Mama.
Während zwei Seelöwen flirten, hat einer das Nachsehen. Bequem ist wohl anders…

Für einen Orca stellt so eine Beute natürlich ein leckeres Mittagessen dar: Weibliche Seelöwen werden bis zu 2 Meter lang und bringen bis zu 150 kg auf die Waage. Noch sättigender – aus Sicht eines Schwertwals – sind die Männchen: Sie sind um einiges größer als die Weibchen und wiegen bis zu 500 kg! In den hauptsächlich aus Weibchen bestehenden Kolonien fallen die Männchen daher umso mehr auf. Obwohl die Tiere hier zahlreich vorkommen, sind die Bestände der südlichen Seelöwen – auch Mähnenrobben genannt –  wegen ihres Leders und ihres Trans durch illegale Jägerei stark dezimiert worden. Hinzu kommt, dass die schrumpfenden Fischbestände den Tieren zu schaffen machen und zusätzlich mit Dynamit gefischt wird, wodurch viele Seelöwen sterben.

Die so genannten Südlichen Seelöwen oder Mähnenrobben kommen beinahe an der gesamten südamerikanischen Pazifikküste vor. Auch an der südlichen Atlantikküste Südamerikas sind sie heimisch. 
Ein Seelöwe schaut einer Inka-Seeschwalbe nach.

Auch der seltene Südliche Seebär lebt auf Paracas. Dieser hat im Vergleich zu den Mähnenrobben eine etwas spitzere Schnauze und seine Rufe hören sich anders an – angeblich eher heiser… Wegen ihres feinen Fells sind diese Tiere durch menschliche Jagd allerdings beinahe ausgerottet worden. Wer den Namen „Pelzrobbe“ schon einmal gehört hat: Damit ist eben diese Tierart gemeint. Lqeider bekommt die Tigerente keine zu Gesicht.

Die Islas Ballestas leuchten schon von weitem in hellem Weiß. Die Farbe stammt vom Vogelkot, dem berühmten Guano.

Von der Küste Perus kommt auch der in alle Welt exportierte Guano-Dünger. Wer noch nie etwas davon gehört hat: Hierbei handelt es sich im wahrsten Sinne um Scheiße. Und zwar um Vogelscheiße. Der mineralreiche Vogelkot stammt von den auch auf den Islas Ballestas lebenden Guano-Tölpeln und den schwarzen Guanay-Kormoranen. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden fast 1 Million Tonnen des wertvollen Düngers pro Jahr aus Peru exportiert. Dies führte dazu, dass die Guano-Vorräte Anfang des 20. Jahrhunderts beinahe erschöpft waren. Da der Vogelkot im Vergleich zu billigerem Kunstdünger auch recht teuer ist, wird Guano heutzutage hauptsächlich für den peruanischen Markt geerntet. Dazu wird der Vogelkot per Hand mit Eimern und Schaufeln abgebaut. Die Arbeiter sind wahrlich nicht zu beneiden um ihren Knochenjob in der prallen Sonne. Der würde den meisten Menschen im wahrsten Sinne des Wortes ordentlich stinken…

Sieht ein bisschen so aus, wie er heißt: Der Guano-Tölpel. Er ist weder besonders filigran gebaut, noch hat er ein farbenfrohes Gefieder, aber er kann bis zu 40 Meter tief tauchen und eine Minute unter Wasser bleiben!
Am ganzen Himmel wimmelt es von Vögeln, es wirkt wie eine Szene von Hitchcock.
Glücklicherweise sind die Guano-Tölpel sehr gut im Nachwuchs-Großziehen, denn während El Niño sterben zehntausende Guano-Tölpel wegen ausbleibender Nahrung…
Die schwarze Färbung dieser Insel entpuppt sich bei näherem Hinsehen als das Gefieder von Millionen von Seevögeln!

Der Guanokormoran ist mit über 75 cm Körperhöhe eine der größeren Kormoranarten. Er zeichnet sich durch ein „weißes Lätzchen“ und orangefarbene Augenringe aus. Beachtlich ist, dass eine einzige Kolonie dieser Vögel bis zu 1.000 Tonnen Guano pro Tag produzieren kann! Diese Tiere machen also ganz schön viel Mist 😉

Die Schönheit der Wüste ist schier unglaublich, ein Spiel aus Form und Farbe.

INFOS

ISLAS BALLESTAS: Die Boote zu den Islas Ballestas fahren im Hafen El Chaco von Paracas (nur) vormittags ab. Nehmt eine Regenjacke mit (es kann etwas ruppiger und vor allem sehr windig werden) und setzt einen Hut auf, sonst könnt Ihr am Ende vielleicht Guano-Dünger vom eigenen Kopf ernten… 

PARACAS: Die landseitige Erkundung der Peninsula ist von Paracas aus mit dem Auto möglich. Vom Ort Paracas sind es nur etwa 10 Autominuten bis zum Beginn des Schutzgebietes. Es wird eine Eintrittsgebühr von 11 Soles pro Person (ca. 3 Euro) fällig. Im Jahre 2007 beschädigte ein Erdbeben die Straßen und Zugänge zu den Stränden. Davon ist heute nichts mehr zu merken. Es gibt eine schöne Straße mit vielen Aussichtspunkten, von denen Ihr einen einzigartigen Blick über Wüste und Meer habt. Auch Toiletten sind vorhanden, ebenso ein paar kleine Restaurants. Mit Glück seht Ihr direkt von der Küste aus Delfine, kleiner Tipp: Hierfür auf die Pelikane achten! Sind diese sehr aufgeregt über dem Wasser unterwegs, spricht vieles dafür, dass Ihr dort die schönen Meeressäuger seht.

Wenn Ihr die Peninsula landseitig erkundet: Nehmt auf jeden Fall genügend Wasser mit, denn ihr befindet Euch in der Wüste. Sogar der Name Paracas weißt hierauf hin, denn es handelt sich dabei um das Wort der Quechua-Indianer für „Sandstürme“. Und stellt Euch darauf ein, dass es extrem windig werden kann und damit an exponierten Stellen auch ziemlich kalt, während es im Windschatten sehr warm ist. Am besten nehmt Ihr für die Peninsula eine leichte Windjacke oder einen Pulli mit. Auch ein Kopftuch o.ä. wird (insbesondere für die Mädels) empfohlen, denn sonst fliegen Euch Eure Haare vermutlich so sehr um die Ohren, dass Ihr die Augen stellenweise kaum aufhalten könnt.

In der Bucht von Paracas liegen hunderte Fischerboote.
Der Parcas-Candelabra ist ca. 200 v. Chr. entstanden. Das riesige Sandbild (Höhe 180 Meter) ist auch heute noch gut zu erkennen. Es wird vermutet, dass es als Orientierungshilfe für Seefahrer diente.
Was für eine Aussicht. Die Atacama-Wüste erstreckt sich bis zum Horizont.