Auf Bärensafari in der Hohen Tatra

Auf Bärensafari in der Hohen Tatra

Der Tatra-Nationalpark ist der älteste der Slowakei und bildet zusammen mit dem fünf Jahre später auf polnischer Seite eingerichteten Nationalpark seit 1992 ein Biosphärenreservat der UNESCO. Neben Steinadlern, Luchsen, Füchsen, Rehen, Dachsen, Wölfen und Murmeltieren leben hier auch Braunbären. In der Hohen Tatra gibt es ca. 180 ausgewachsene Braunbären. Und genau diese möchte die Tigerente in freier Wildbahn sehen! Um ihre Chancen zu erhöhen, hat sie sich also auf Bärensafari begeben. An ihrer Seite begleitet sie der Zoologe und erfahrene Bärenforscher Robin.

Eine Kreuzotter quert den Weg.

Bei herrlichem Wetter geht es zu Fuß durch die Wälder, immer auf der Suche nach Spuren oder gar einem leibhaftigen Braunbären. Und es dauert nicht lange, bis klar wird: Hier leben eine ganze Menge von ihnen!

Der Abdruck eines ausgewachsenen Braunbären im Vergleich zu Schuhgröße 42!

Dutzende Tatzenabdrücke der braunen Pelztiere finden sich im Matsch; einige stammen von ausgewachsenen Bären, andere von Jungtieren. Dazu entdeckt die Tigerente mehrere große schwarze Haufen gut verdauten Grases (Ihr wisst schon…). Es ist Anfang Juni. Zu dieser Zeit sind die Bären darauf angewiesen, viel Gras zu fressen. Beeren und Früchte gibt es für sie um diese Jahreszeit noch nicht, erklärt Robin. Auch wenn Teppiche von Blaubeeren den Waldboden bedecken und schon ihren süßen Duft verstreuen, hängen doch noch keine Früchte an ihnen. Das wird im Spätsommer ein Festmahl für die Tiere! Robin hat schon Bären beobachtet, die fünf Stunden nur gefuttert haben… Jetzt allerdings müssen die pelzigen Gesellen zusehen, wie sie satt werden. Zum Glück sind sie Allesfresser und daher nicht wählerisch. Dass die Bären auch jetzt schon ein Auskommen finden, wird spätestens dann klar, als die Tigerente die Knochenreste eines Rehs zu sehen bekommt… Da gab´s dann wohl doch mal eine nette Fleischbeilage für Meister Petz. Als Proteinquelle stehen auch Insekten auf dem Speiseplan. Gerne werden dazu Ameisenhaufen verwüstet und die Zahl ihrer Bewohner massiv reduziert. Und natürlich lieben die Bären Honig! Für diese leckere Süßigkeit werden sogar lästige Bienenstiche in Kauf genommen…

Neben den Imkern verursachen die Bären mitunter auch den Bauern Kummer, wenn dem Hunger ein Schaf zum Opfer gefallen ist. Ein ausgewachsener Bär kann über 300 kg wiegen und die müssen schließlich ernährt werden. Daher ist es eine von Robins Aufgaben, sich darum zu kümmern, dass beim Bärenschutz neben den Belangen von Natur- und Tierschützern auch die der Bauern in der Umgebung nicht zu kurz kommen – naturgemäß eine Aufgabe, bei der man es keinem Recht machen kann.

In der Bildmitte: Bärenabdrücke. Sehr gut zu erkennen sind auch die Abdrücke der Krallen. Links: Spuren eines Wolfes!

Während Robin der Tigerente viel über Meister Petz und seine Gewohnheiten erzählt, geht es auf verwuchsenen Pfaden immer tiefer in den Wald. Auf einmal knackt ein großer Ast im Unterholz nicht weit entfernt von der Tigerente! Ein Bär? Gespannt horcht sie in den Wald, doch leider weht der Wind ihren Geruch genau in die falsche Richtung… Was immer es war (und es muss ziemlich groß gewesen sein!), es wird sich sicher nicht zeigen… Also weiter geht´s. Und es gibt Hoffnung: Robin erklärt, dass die meisten Tiere an einem so heißen Tag wie heute (es ist an die 30 Grad!) erst nach Sonnenuntergang aktiver werden. Die besten Chancen, einen Bären zu sehen, hat man also Abends.

Als sich die Sonne dem Horizont zuneigt, geht es zurück zum Auto und hin zum erfolgversprechenderen Teil der Safari. Im offroadtauglichen Geländewagen fährt Robin verschiedene Plätze an, die nach seiner Ansicht am besten geeignet sind, um die Tiere zu Gesicht zu bekommen. Zuerst stoppt er an einer kleinen Lichtung. Vom Auto aus hält die Tigerente mit Robin und sehr guten Ferngläsern Ausschau nach Bären. Und tatsächlich! Auf einmal ruft Robin “There is a bear!” Allein – der Bär sprintet in weniger als zwei Sekunden über den Waldweg und verschwindet wieder im Gebüsch. Die Tigerente hat zur falschen Zeit in die falsche Richtung geschaut und von dem Tier rein gar nichts gesehen… Schade! Aber Robin gibt nicht auf “This must not be your only chance today.” Und so geht es nach einer kurzen Wartezeit (vielleicht kommt der Bär ja wieder?) zu einer großen Wiese, wo Robin vor zwei Tagen einen Braunbären gesichtet hat. Die Chancen stehen also nirgends so gut wie hier! Jetzt heißt es: warten… Zwei Stunden lang passiert – genau gar nichts. Nicht einmal ein Reh will sich zeigen; auf der riesigen Wiese präsentiert sich ein perfektes Stillleben.

Langsam geht die Sonne unter und es präsentiert sich ein perfektes Stillleben, aber leider kein Bär…

Der Tigerente tun schon die Augen weh vom angestrengten in-die-Ferne-schauen und das Licht wird immer knapper. Also beschließt Robin, noch einen Versuch dort zu wagen, wo vorhin der Bär über den Weg gerannt ist. An der Stelle angekommen wird wieder gewartet. Und immerhin: Ein neugieriger Dachs zeigt sich! Er kommt direkt auf´s Auto zugelaufen, bleibt kurz stehen und trabt dann weiter in den Wald, wo die Tigerente ihn noch ungefähr eine Minute beobachten kann. Sie hat noch nie einen wilden Dachs gesehen, also ist das Tier eine kleine Sensation!

Mittlerweile ist es ziemlich dunkel und die Tigerente kann kaum noch etwas sehen. So wird beschlossen, die Safari zu beenden – auch wenn es Robin sehr leid tut, dass sie keinen Bären zu Gesicht bekommen hat. Aber die Hohe Tatra ist schließlich kein Zoo, und es war auf alle Fälle ein sehr spannender Tag!

Ein Dachs zeigt sich 🙂

Sie verabschiedet sich von Robin und macht sich auf die Fahrt zurück in´s Hotel. Und ob Ihr´s glaubt oder nicht: Mitten im Dunkeln taucht an der Bundesstraße ein kleiner Braubär im Straßengraben auf! Das Herz der Tigerente macht einen Freudensprung! Direkt vor ihrem Auto überquert er die Straße und bleibt sogar kurz stehen, um zu prüfen, was das für zwei große, leuchtende Dinger sind, die alles plötzlich so hell werden lassen. So ganz geheuer ist ihm die Situation verständlicherweise nicht und er entschwindet dann doch lieber in den Wald. So hat die Tigerente am Ende des Tages doch noch einen wilden Braunbären gesehen 🙂

Im letztes Licht des Tages sind viele Hasen unterwegs.