Die anstrengende Hauptstadt Port Louis und die grünen Gärten von Pamplemousse

Die anstrengende Hauptstadt Port Louis und die grünen Gärten von Pamplemousse

Dezember 3, 2018 0 Von ThisGirlIsEverywhere

Bei einem Aufenthalt auf Mauritius darf natürlich einen Besuch der Hauptstadt Port Louis nicht fehlen – so jedenfalls dachte die Tigerente. Port Louis liegt im Norden von Mauritius und wird durch eine Bergkette vor den Passatwinden geschützt. Für eine Hauptstadt ist die Einwohnerzahl mit 148.000 Menschen eher gering, allerdings kommen dazu noch beinahe 100.000 Pendler, die sich Tag für Tag in die Stadt hineinquälen. Obwohl viele Firmen in die neu gegründete Cybercity abgewandert sind, ist Port Louis die wichtigste Stadt auf der Insel geblieben.

Als Tourist sollte man sich darüber im Klaren sein, dass Mauritius’ Hauptstadt kein Ort für einen gemütlichen Stadtbummel ist. Denn das Verkehrschaos steht asiatischen Großstädten in nichts nach – Autos, Busse (eine Unmenge an Bussen!), Mofafahrer, Fußgänger und Hunde teilen sich die engen und unübersichtlichen Straßen. Der Verkehr ist sehr dicht, sein Lärm und Gestank omnipräsent. Mit dem Auto ist Port Louis absolut stressig, daher ist die Tigerente froh, als sie endlich einen der heiß begehrten Parkplätze ergattert hat.

Ziel der Tigerente ist die Caudan-Waterfront. Bis 1996 befanden sich hier Lagerhäuser, dann aber entstand ein neuer Gebäudekomplex mit ein paar Läden, Botiquen, Juwelieren, einem Kino, Bars und Restaurants sowie Büros, Banken und Reisebüros. Auch ein Casino gibt es hier. In einem Foodcourt werden indische, chinesische und kreolische Gerichte angeboten, daneben gibt es aber auch Restaurants der gehobenen Preisklasse. Die Caudan-Waterfront ist angeblich DER Prestigebau der Insel und wird in allen Reiseführern angepriesen. Aber – ganz ehrlich: So wirklich viele Geschäfte gibt es hier nicht und so wirklich fertig ist der Komplex auch noch nicht. Eher gleicht er einer großen Baustelle…

 

Die Caudan Waterfront gleicht eher einer Baustelle…

 

Die Fassaden sind – so sie denn fertig sind – im Neokolonialstil gehalten.

 

Hübsche Idee, die in den modernen Fassaden aber etwas deplaziert wirkt. Trotzdem ein sehr beliebtes Fotomotiv, da “very instagrammable”.

 

Die Tigerente hatte gehofft, auf dem ebenfalls hier befindlichen Crafts Market vielleicht ein paar Souvenirs zum Mitbringen zu finden. Es werden kleinere Holzschnitzereien genauso zum Verkauf angeboten wie handgemalte Bilder, Schmnuck und eine Menge Stoffe. Etwas, was über den üblichen Touristennepp hinausgeht, findet die Tigerente allerdings nicht. Fazit: Zum Shoppen eher ungeeignet.

Wer die Caudan Waterfront dennoch besuchen möchte, sollte beachten, dass die Geschäfte und der Foodcourt um 17:30 Uhr schließen.

 

Seifen, falls man sich ein Stück Mauritius für daheim mitnehmen möchte.

 

Kitschige Porzellanartikel mit dem obligatorischen Dodo als Motiv.

 

Rum mit eingelegten Früchten – wer´s mag. Ach ja, und “mit Dodo drauf”…

 

In Port Louis gibt’s übrigens auch ein chinesisches Viertel, die Chinesen stellen neben den Indern die größte Gemeinde der Zuwanderer. Sie kamen zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Händler und das wuselige Chinatown ist ihr Zentrum auf Mauritius.

 

Bunte Häuserwand im chinesischen Viertel.

 

Da sie nun schon in Port Louis ist, besucht die Tigerente auch noch das wohl berühmteste Museum der Insel, das praktischerweise ebenfalls in der Caudan Waterfront liegt: Insbesondere für Philatelie-Liebhaber interessant ist das Blue Penny Museum, in dem die wohl berühmteste Briefmarke der Welt ausgestellt ist: Die Blaue Mauritius. Die Marke wurde im Jahr 1847 anlässlich einer Einladung zu einem Kostümball gedruckt. Ursprünglich wurden 500 dieser Marken hergestellt, von denen heute lediglich noch zwölf existieren. Statt des üblichen Vermerks „POST PAID“ sind die Wörter „POST OFFICE“ neben das Konterfei von Queen Victoria gedruckt und machen nun den Seltenheitswert der Briefmarke aus. Auch die Rote Mauritius gibt es im Blue Penny Museum zu sehen, von der nur noch 15 Marken existieren. Der „Bordeaux-Brief“, der sowohl mit der Blauen als auch der Roten Mauritius frankiert wurde, gehört zu den wertvollsten Sammlerstücken der Philatelie; er brachte umgerechnet 2,5 Millionen Euro bei einer Versteigerung im Jahr 1993 ein. Die beiden im Blue Penny Museum zu bestaunenden Marken wurden 1993 für 2,2 Millionen Dollar ersteigert. Die hier zu sehende Blaue Mauritius wird lediglich jede Stunde für zehn Minuten beleuchtet. Den Rest der Zeit kann man nur eine Kopie anschauen. Ein weiteres Exemplar der Blauen Mauritius findet man übrigens im Museum für Telekommunikation in Berlin.

 

Da das Fotografieren im Museum verboten ist, hier zur Anschauung die zwei berühmten Briefmarken als T-Shirt-Motiv.

 

Nach dieser Indoor-Aktivität lockt es die Tigerente wieder nach draußen. Etwa eine halbe Autostunde entfernt von Port Louis liegt Pamplemousse, dessen berühmten Botanischen Garten von Pamplemousse die Tigerente besucht. Der richtige Name lautet eigentlich Sir Seewoosagur Ramgoolam Botanical Garden, was aber für europäische Ohren nicht ganz so eingängig klingt. Namensgeber Seewoosagur Ramgoolam war der erste Premierminister der Insel und wird als „Vater der Nation und Architekt der Unabhängigkeit“ bezeichnet, welche Mautitius im Jahr 1968 von Großbritannien erreichte. Beinahe alle Touristen auf Mauritius dürften den Namen schon mal gelesen haben, denn nach ihm ist auch der internationale Flughafen benannt.

Mit dem botanischen Garten von Sidney steht Pamplemousse im Wettbewerb um den Rang des ältesten botanischen Gartens der Südhalbkugel. Ursprünglich wurde er im Jahr 1735 als Gemüsegarten des Gouverneurs Mahé de Labourdonnais angelegt und von dessen Freund Pierre Poivere mit allerlei Pflanzen aus den Kolonien angereichert. Nach der Machtübernahme der Engländer bereicherten weitere Arten aus den englischen Kolonien den Bestand. Auf 37 ha findet man beispielsweise nun mehr als 500 Baumarten. Auch ein Gehege mit Riesenschildkröten und ein weiteres mit Java-Hirschen gibt es.

Ja, grün ist es hier wirklich, aber besonders viele blühende Pflanzen entdeckt die Tigerente im Park nicht. Am herausragendsten sind der indische Lotus und die größte Seerosenart der Welt, die Victoria-Amazonica. Eigentlich können ihre Blätter bis zu drei Meter Durchmesser erreichen, in Pamplemousse kommen die größten jedoch gerade auf etwa einen Meter. Trotzdem imposant. Nicht nur ihr Erscheinungsbild, auch die Art der Fortpflanzung dieser Seerosenart ist besonders: Sie blüht lediglich ein Mal im Jahr an zwei aufeinanderfolgenden Tagen und um sicherzugehen, dass sie auch tatsächlich bestäubt wird, öffnet sich am ersten Abend die weiße Blüte und verströmt den Duft ihres Nektars. Die so angelockten Käfer werden dann von der Blüte “eingesperrt”: Sie schließt sich umgehend und hält den Käfer bis zum darauffolgenden Tag gefangen. Der arme Krabbler versucht natürlich, zu entkommen und muss sich dabei durch die Pollen wühlen. Am nächsten Tag ist er mit ihnen übersät und wird freigelassen, um die Bestäubungsarbeit zu verrichten. Die Blüte ändert ihre Farbe zu Rot und schreckt damit weitere Käfer ab. Raffinierte Pflanze, da muss man auch erstmal drauf kommen 😉 Auch die Nationalblume von Mauritius, die Trochetia, findet man (nicht die Tigerente…) im Park.

 

Indischer Lotus.

 

Die Victoria-Amazonica-Seerose, die größte Seerosenart der Welt.

 

Wer den Botanischen Garten besuchen möchte, nimmt am besten genügend zu trinken und auch ein paar Snacks mit, denn im Park kann man nichts davon kaufen. Direkt vor dem Haupteingang gibt es ein paar kleinere Stände mit kühlen Getränken. Sonntags ist außerdem besonders viel los; wer etwas mehr Ruhe bevorzugt, wählt besser einen anderen Wochentag. Der Eintritt kostet für Erwachsene 200 Rs.