Wanderung zu den Wasserfällen Trou de Fer

Wanderung zu den Wasserfällen Trou de Fer

November 28, 2018 0 Von ThisGirlIsEverywhere

Eigentlich will die Tigerente heute den Piton de la Fournaise – einen der aktivsten Vulkane der Welt – erkunden, aber leider machen ihr die Straßenblockaden der gilets jaunes einen Strich durch die Rechnung. Für den heutigen Tag haben die „Gelben Westen“ einen totalen shut-down der gesamten Insel angekündigt, um die französische Ministerin für die Überseegebiete, die La Réunion heute besucht, unter Druck zu setzen. Die Straßensperrungen werden nochmals ausgeweitet. Auch die allermeisten Restaurants und Supermärkte sind geschlossen; ein Bild, das die Tigerente aus den letzten Tagen leider schon kennt. An Wasser und Lebensmittel ist mittlerweile fast ebenso schwierig heranzukommen wie an Benzin – kein Wunder, wo doch nach Kenntnis der Tigerente der einzige Überseehafen von La Réunion aus Protest gegen die von Frankreich vereinnahmten Dockgebühren von den Gelbwesten blockiert und so die Versorgung der Insel auf´s Spiel gesetzt wird… Umso erleichterter war die Tigerente, als sie gestern, nachdem sie den gesamten Tag mit fast leerem Magen im Auto gesessen hatte, netterweise in ihrem B&B spontan mit zu Abend essen durfte!

Da die einzige Zufahrtstraße zwischen ihrer Unterkunft und dem Vulkan also gesperrt ist, muss die Tigerente ihre Pläne für heute ändern. Statt den Vulkan zu besichtigen, geht sie wandern und hat Glück, denn die Straße zum Ausgangspunkt ihrer Wanderung ist bislang noch frei befahrbar. Es geht also zu den berühmtesten Wasserfällen der Insel, den Trou de Fer 🙂

Die Straße, die über etwa 25 km von Bras des Calumets zum Wanderparkplatz und zur Hütte Gîte de Bélouve führt, ist gut ausgebaut.

Die Straße zur Gîte de Bélouve führt durch den immergrünen Forêt de Bélouve, von dort aus geht es zu Fuß weiter zu den Trou de Fer.

Versteckt in den zerklüfteten Bergen östlich von Hell-Bourg und dem Cirque de Salazie liegen die tosenden Wasserfälle Trou de Fer. Die Wanderung dorthin führt durch einen magisch anmutenden Regenwald, den Forêt de Bélouve. Dieser immergrüne Bergregenwald ist geprägt von häufigen Niederschlägen, hoher Luftfeuchtigkeit und nahezu immerwährendem Nebel. Meterhohe Riesenbaumfarne versperren den Blick durch das Unterholz, Moose und Flechten bewachsen fast sämtliche Bäume. Mit etwas Glück entdeckt man auch einige der hier wachsenden Orchideen.

Fast schon unscheinbar blüht diese kleine Orchidee im Unterholz vor sich hin.

Mangels botanischer Kenntnise kann die Tigerente zwar nicht sagen, um was für eine Pflanze es sich  hierbei handelt, aber die Blüten sehen niedlich aus 😉

Eine weitere wunderschöne Orchidee (nach botanischer Einschätzung der Tigerente…).

Farbenfrohe Sträucher am Wegesrand.

Die Tigerente hat das Gefühl, in einem verwunschenen Zauberwald unterwegs zu sein und fühlt sich ein bisschen wie bei „Jurassic Park“ – nur ohne gefährliche Tiere… Der letzte Primärregenwald der Insel macht ihr die Erkundung jedoch nicht unbedingt leicht: Die Wege sind matschig und immer wieder muss sie aufpassen, nicht im Schlamm auszurutschen. Sie ist sehr dankbar für ihre wasserdichten Wanderschuhe – auch, wenn sie von oben ohnehin nass wird, das ist ja schließlich ein Regenwald 😉 

Die omnipräsenten Riesenbaumfarne – manche davon sind mher als ein Dutzend Meter hoch!

Eine gut befestigte Etappe des zwischenzeitlich sehr matschigen und steilen Pfades durch den Dschungel.

Die Calla-Blumen sehen wunderschön aus und sind im Forêt de Bélouve oft anzutreffen.

Die Wanderung zu den Fällen dauert aufgrund der Wegbedingungen länger als geplant… Gegen 11 Uhr kommt die Tigerente endlich an den Trou de Fer, besser gesagt an dem Aussichtspunkt, an. Die Fälle selbst sind noch etwa 300 Meter von der Aussichtsplattform entfernt und die Tigerente sieht erstmal – nichts. Denn dichter Nebel verdeckt um diese Uhrzeit bereits den Blick. Sie starrt also zunächst eine weiß-graue Wand an; nur hören kann sie die Wasserfälle. Aber dank eines Tipps, den sie gestern beim gemeinsamen Abendessen von einem eingefleischten Réunion-Urlauber aus dem Elsass erhalten hat, bleibt die Tigerente beharrlich und wartet. Und voilá, nach einiger Zeit lichtet sich der Nebel und die Fälle sind zu sehen 🙂

Insgesamt soll es sich bei den Trou de Fer um sechs Wasserfälle handeln, die von verschiedenen Seiten in eine etwa 300 Meter tiefe, kesselartige Schlucht stürzen.

Zum Größenvergleich: Die Wasserfälle und ein Helikopter. Rechts im Bild erkennbar ist der Beginn des corridor, einer bis zu 850 m hohe, 3,2 km langen Schlucht.

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Den mit etwa 300 Metern höchsten Wasserfall bildet der Fluss Bras de Caverne, der sich anschließend durch eine sehr enge und sehr tiefe Schlucht windet. Dieser sogenannte „Corridor“ ist 3,2 km lang und nur wenige Meter breit. Seine Steilwände sind bis zu 850 Meter hoch! Hat es längere Zeit geregnet, entsteht im Corridor ein reißender Strom, in den man besser nicht hineingerät…

Oft wird behauptet, der Name Trou de Fer (zu deutsch: „Eisenloch“), sei eine sprachliche Fehlüberlieferung, da es in der Umgebung keine eisenhaltigen Gesteine gebe. Daher müsse ihr ursprünglicher Name Trou d’enfer gelautet haben, was mit „Höllenloch“ übersetzt werden kann. Ob diese Erklärung so stimmt, bezweifelt die Tigerente allerdings, denn sämtliche Bäche entlang des Weges (die sie zum Teil auf größeren Steinen überquert) haben eine leicht orangene Farbe und sehen aus Laiensicht sehr eisenhaltig aus…

Nachdem sie etwa eine Stunde am Aussichtspunkt verbracht hat, da sich der Nebel in dieser Zeit immer weiter lichtete, geht es auf den Rückweg. In Plaine des Palmistes angekommen, ist die Tigerente pitschnass von dem ein oder anderen heftigen Regenschauer, aber sie hat Glück, denn sie findet tatsächlich einen kleinen Imbiss, der geöffnet hat! Keine Selbstverständlichkeit, zur Zeit etwas zu futtern zu finden auf dieser Insel…

Morgen muss die Tigerente die Unterkunft wechseln und etwa 45 km mit dem Auto fahren – keine rosige Aussicht in Anbetracht dessen, dass andere Gäste ihres B&B heute für 25 km drei Stunden gebraucht haben… Der morgige Tag wird also vermutlich ziemlich ruiniert sein.

Als Hinweis für wanderfreudige Touristen, die La Réunion in hoffentlich ruhigeren Zeiten besuchen: Wer zum Trou de Fer aufbricht, sollte dies am besten früh morgens tun, da um die Mittagszeit üblicherweise Wolken aufziehen und den Blick von der Aussichtsplattform auf die Fälle verhüllen. Nur von dort aus ist das Naturspektakel überhaupt zu sehen, denn die Schlucht tief unten ist nicht zugänglich – es sei denn, man nimmt an einer mehrtägigen und sehr anspruchsvollen Canyoning-Tour teil. Man kann natürlich auch hoffen und warten und Glück haben, dass sich der Nebel lichtet, aber dafür gibt´s keine Garantie 😉 Als Ausgangspunkt der Wanderung eignet sich die Hütte Gîte de Bélouve. Eine geteerte Straße führt vom Ort La Plaine-des-Palmistes bis zur Hütte, näher kommt man mit dem Auto nicht an die Wasserfälle heran. Alternativ führt auch von Salazie ein Weg zur Hütte, allerdings hat man dann noch die Abbruchkante des Cirque de Salazie mit ihren 500 Höhenmetern vor der Brust…

Das grüne, nasse Dickicht des Dschungels bildet stellenweise eine nahezu undurchdringliche Wand.

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